97-20-06 (zuvor als 97-23-83 deklariert)

Foto Gert Paul



Bei diesem Unikat handelt es sich um einen Kohleschüttgutwagen, der für die Papierfabrik Wilischthal aus einem von der Reichsbahn ausgemusterten vierachsigen offenen Güterwagen der Gattung OOw entstanden ist. Dieser OOw trug zuletzt die Betriebsnummer 97-20-06, wie die von Mitgliedern der IG Wagen am Rahmen des Vierachsers entdeckten Schlagzahlen 5652 zweifelsfrei belegen. Demnach wurde der OOw 1912 in Görlitz gebaut und als 4755K von den K.Sächs.Sts.E.B. in Dienst gestellt. Die DRG gab dem Vierachser 1927 die Betriebsnummer K5652, die DDR-Reichsbahn zunächst die Nummer 7.5652 und nach 1951 dann die 97-20-06. Mit dieser Nummer gehörte er bis 1968 zum Thumer Wagenbestand. Anschließend wechselte er nach Wolkenstein, wo die Reichsbahn am 11. August 1968 seine Ausmusterung verfügte. Doch die Zerlegung des Vierachsers unterblieb. Mitte der 1970er Jahre wurde die Papierfabrik Wilischthal auf den Wagen aufmerksam.
Dieses Werk hatte seit 1971 bereits den 1913 in Werdau gebauten und 1969 ausgemusterten OOw 97-23-83 als Werkwagen im Bestand. Im Oktober 1978 übernahm die Fabrik auch den 97-20-06 als Werkwagen. Im Jahr 1985 erfolgte sein Umbau zum Kohleschüttwagen nach dem Vorbild von LOWA-Wagen des Mansfeld-Kombinates "Wilhelm Pieck".
Genutzt werden durfte das Unikat ausschließlich auf dem Werksgleisen in der Papierfabrik, auf DR-Gleisen war er nicht zugelassen. Anfang der neunziger Jahre stellte das Werk den Kohlewagen ab und verkaufte ihn 1995 gemeinsam mit allen übrigen zu diesem Zeitpunkt noch im Werk vorhandenen Wagen an die IG Preßnitztalbahn e.V. Diese stellte den Kohlewagen über den Winter 1995/96 in Hammerunterwiesenthal ab, Einsätze des Wagens auf der CW-Linie gab es hingegen nie! 1996 gab die IGP den Kohlewagen, an dem dieser Verein selbst kein Interesse hatte, nach Rittersgrün ab.
Da das Untergestell des Vierachsers beim Umbau zum Schüttgutwagen 1985 gesandstrahlt und danach neu gestrichen worden war, befanden sich Anfang der 1990er Jahre an dem Fahrzeug keinerlei Anschriften aus Reichsbahnzeiten mehr. Zu diesem Zeitpunkt fand niemand Hinweise auf die ursprüngliche Identität des Wagens. Da der Verkauf des Wagens 97-20-06 an die Papierfabrik in Vergessenheit geraten war, aber die Abgabe des Wagens 97-23-83 an das Werk bekannt war, vermutete man in den 1990er Jahren, dass der Kohlewagen aus dem 97-23-83 entstanden wäre. So stand es bisher entsprechend auch in mehreren Publikationen. Seit Entdeckung der Schlagzahlen 5652 im September 2009 steht jedoch fest, dass der Kohlewagen aus dem ehemaligen OOw 97-20-06 entstanden war.

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