K1700

Aufnahme Sven Hoyer

Ab 1883 bauten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen für den Posttransport geeignete Fahrzeuge; dieser Wagen entstammt einer Serie aus dem Jahre 1892, die sich durch die nach außen aufschwingenden, in der Wagenmitte befindliche Doppeltüren, von ihren Vorgängern, die mit Schiebetüren, ähnlich des Schweta-Kasten, ausgestattet waren, unterschieden. Alle Fenster sind mit vernieteten Stäben vergittert, und können bei Bedarf nach innen weggeschwenkt werden. Talseitig befindet sich an der Stirnwand ein Sortiertisch; bergwärts ein nachträglich eingebauter Sortiertisch mit 6 verschiedenartigen Fächern und ein Sortierschrank mit 24 Fächern. Links und rechts befinden sich verglaste Türen zum Briefeinwurffach; die Breifkastenklappen können auch von innen betätigt werden. Der Oberlichtaufbau, mit rd. 4800 mm kürzer als der Wagenkasten, hat auf jeder Seite 2 verglaste Fenster, die nach innen schwenkbar sind. Die Innenhöhe mit rd. 1800 mm zwingt heutige “Normalgewachsene” zum ständigen Kopfeinziehen.

Zur Geschichte des Wagens ist soviel bekannt: Von seiner Indienststellung im Jahre 1892 verblieb der Wagen bis 1916 auf dieser Strecke. Dann wurde er zur Preßnitztalbahn Wolkenstein-Jöhstadt umgesetzt; neueren Erkenntnissen nach war er aber Mitte der zwanziger Jahre wieder in Grünstädtel eingesetzt. In den Akten des Maschinenwerkes Chemnitz ist vermerkt, das sich der Wagen im Juni 1932 erneut in Jöhstadt befand; dort verblieb er bis zur Einstellung des Postverkehrs Mitte 1935 im Dienst. Anschließend wurde er an die Familie Beyer in Jöhstadt verkauft, die ihn mitsamt seines Fahrwerkes in ihrem Gartengrundstück “eingrub” und als Laube nutzte. Die Arbeitsgemeinschaft, die ab 1972 das im Werden befindliche Museum begleitete, bemühte sich mehrfach um eine Überführung ins Museum; am 14.08.1982 wurde das Fahrzeug als Stiftung der Familie Beyer dem Museum übergeben.

Nach dem Ausgraben konnte zum einen an den Laufflächen der Räder noch die Spuren des Straßentransportes festgestellt werden; am Rahmen war noch die Anschrift “....städtel” entzifferbar und im Inneren die Anschrift “1700K”. Die Heberleinbremse war in Teilen noch erhalten; die einzige Gaslaterne fehlte leider im Gegensatz zu dem Ofenabzug auf dem Dach. Die Verbretterung der Längsseiten wurde erneuert; die Stirnwände sind noch heute im Original erhalten. In den neunziger Jahren wurde der Wagen wieder rollfähig hergerichtet; anlässlich der 100-Jahr-Feier der Strecke Cranzahl-Oberwiesenthal wurde er zuerst nach Cranzahl zu Ausstellungszwecken verbracht, um dann am 20.07.1997 in einem Sonderzug auch Oberwiesenthal per Gleis zu erreichen. Zu einem weiteren Einsatz kam es anlässlich der Streckeneröffnung von Jöhstadt nach Steinbach im August auf der Preßnitztalbahn; am Endpunkt Steinbach wurde er gemeinsam mit der IVK 99579 dem Publikum vorgestellt.

Zwischenzeitlich wurden im Museum die maroden Doppeltüren durch Nachbauten ersetzt.

26.11.2012

Auch dieser Wagen wurde 2012 äußerlich aufgearbeitet. Foto Gert Paul

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