970-310

Foto Gert Paul

Der Rittersgrüner Aussichtswagen ist einer von drei noch heute erhaltenen Fahrzeugen seiner Art. Nach aktuellem Forschungsstand waren 1933/34 insgesamt fünf vierachsige Oberlichtwagen zu derartigen Aussichtswagen umgebaut worden. Der zweite noch heute erhaltene Aussichtswagen, ex K 301 (970-312), befindet sich im Bestand von DB Regio und wird von Zeit zu Zeit auf der Lößnitzgrundbahn eingesetzt; der dritte sächsische Aussichtswagen (K 429) umgebaut auf der Waldbahn in Cierny Balog (Slowakei). Die Wagen wurden mit Scharfenbergkupplung und Körtingbremse ausgerüstet; der Wagenkasten bekam neue Seitenwände mit einer Höhe von 1000 mm, außen blechbeplankt und innen mit holzverkleideten Wänden. Ein aufgesetztes Messing-Geländer sollte das zu weite Hinausbeugen der Fahrgäste verhindern; zum Betreten des Wagens wurden in beiden Stirnwänden Schwenktüren angebracht. An Sitzgelegenheiten wurden auf einer Wagenseite 9 Zweier-Bänke und auf der anderen Seite 9 Einzelsitze mit umklappbaren Rücklehnen eingebaut. Vom Einsatz dieses Wagens sind folgende Daten bekannt:
- 26.06.1952 letzte Hauptuntersuchung im RAW Wilhelm Pieck Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) - 1964 gemeinsamer Einsatz mit dem Radebeuler Wagen auf dieser Strecke anlässlich der 75-Jahr-Feier der Streckeneröffnung Grünstädtel-Oberrittersgrün
- im Juni 1968 Einsatz, wieder gemeinsam mit dem Radebeuler Aussichtswagen, beim Heimatfest in Frauenstein anlässlich der 750- Jahr-Feier der Stadt Frauenstein zwischen Klingenberg-Colmnitz und Frauenstein.
1971 stand der Wagen in Kipsdorf abgestellt; auf der Suche nach Ausstellungsstücken für die zukünftige Technische Schauanlage Rittersgrün wurde er “wiederentdeckt” und nach Grünstädtel umgesetzt, von wo aus er am 15.01.1972 mit dem legendären “letzten Zug” von der IV K 99 579 nach Oberrittersgrün überführt wurde.
Am Längsträger trug er noch die Anschrift “Hainsberg” als letzten Heimatbahnhof und am Wagenkasten die Anschriften “Auf geht´s zum Heimatfest nach Frauenstein”. Alle Achslagerdeckel tragen noch die Inschrift “K.Sä.Sts.E.B”; von der Originalbestuhlung waren noch 8 Einzelsitze + 5 Doppelsitze vorhanden.
Im Mai/Juni 1985 wurde eine neue Farbgebung mit Zierlinien angebracht; ebenso ein neues Emblem der Gemeinde Frauenstein. Bei der bisher letzten Rekonstruktion im Jahre 1994 wurde der Wagen mit der alten Beschriftung und neuer Bestuhlung sowie einem aufgearbeiteten Geländer neu versehen.
Am 27.03.1997 wurde der Wagen nach Jöhstadt gebracht und dort auf Kosten der IG Preßnitztalbahn e.V. betriebsfähig aufgearbeitet, um während der Festwoche “100 Jahre Schmalspurbahn Cranzahl – Kurort Oberwiesenthal” zum Einsatz zu kommen. Nach dieser Woche war er gemeinsam mit dem auf einem Traglaster-Untergestell 1993 neugebauten Aussichtswagen 970-465 der IG Preßnitztalbahn e.V. zwischen Jöhstadt und Forellenhof im Einsatz. Ab 1999 befand er sich bei der BVO auf der Fichtelbergbahn in den Sommermonaten in unregelmäßigem Einsatz in Sonderzügen. 2003 wurde der Wagen zurück nach Rittersgrün gebracht und vervollständigt nun wieder die Museumsausstellung; eine weitere Nutzung wurde wegen der fälligen Nachuntersuchungen und den damit verbundenen Kosten nicht in Erwägung gezogen.

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